Definition: Was ist Menschenhandel?

Unter Menschenhandel versteht man laut des Rahmenbeschlusses des Europäischen Rats von 2002, die Anwerbung, Beförderung, Weitergabe, Beherbergung und spätere Aufnahme einer Person, einschließlich Tausch der Kontrolle oder Weitergabe der Kontrolle über sie, wenn eine der folgenden Voraussetzungen gegeben ist:

1. Anwendung oder Androhung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, einschließlich Entführung, oder
2. arglistige Täuschung oder Betrug, oder
3. Missbrauch einer Machtstellung oder Ausnutzung einer Position der Schwäche, in einer Weise, dass die betroffene Person keine wirkliche und für sie annehmbare andere Möglichkeit hat, als sich dem Missbrauch zu beugen, oder
4. Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vergünstigungen mit dem Ziel, das Einverständnis einer Person zu erhalten, die die Kontrolle über eine andere Person hat, zum Zwecke der Ausbeutung einer Person mittels Prostitution oder anderer Formen der sexuellen Ausbeutung einschließlich Pornografie.

Angeborene Sklaverei: Kinder von Sklaven gehören automatisch dem/der Besitzer_In und werden selbst versklavt. In neuerer Form müssen sich oft die Kinder von Prostituierten selbst prostituieren.

Haushaltssklaverei: (engl. [involuntary] domestic servitude). Sklaverei im Haushalt, entweder als Schuldknechtschaft einer Familie gegenüber oder aber ausbeuterische Ausnutzung legaler Hausarbeit oder aber Beschäftigung illegaler Einwanderer unter entwürdigenden Bedingungen.

Kinderarbeit: immer falsch, aber schlimmere Form: Kinderzwangsarbeit (engl. forced child labour). Zwangsarbeit von Minderjährigen. Wird so bezeichnet, weil Kinderarbeit – also auch freiwillige oder bezahlte – in den meisten Ländern zumindest bis zu einem bestimmten Alter verboten oder stark beschränkt ist, aber von Versklavung Minderjähriger im Schweregrad unterschieden werden muss.

Leibeigenschaft: Die Verpflichtung, auf einem jemand anderem gehörenden Grundstück zu leben und zu wirtschaften, ohne dies ändern zu können und ohne am Gewinn beteiligt zu werden.

Menschenhandel: Drei Punkte müssen beim Menschenhandel übereinkommen:
– Ein Tatbestand: Es muss etwas mit den Opfern gemacht worden sein

– Ein Tatmittel: Dazu wurde Gewalt, Betrug, Täuschung usw. angewandt.
– Ein Tatzweck: Die Ausbeutung

Menschenschmuggel: Auswanderungswilligen werden illegale oder scheinlegale, gefährliche und ungefährlichere Möglichkeiten der Migration geschaffen. Bei Einwilligung der Betroffenen kein Menschenhandel, kann aber zu unwürdigen Transportmethoden, Wucherpreisen und nach Ankunft in Schuldknechtschaft usw. führen.

Schuldenknechtschaft: (engl. bonded labour, debt bondage). Es wird vorgegeben, mit der Zwangsarbeit müssten Schulden der Familie, für Reisekosten, Ausweispapiere, Arbeitsbeschaffung oder Arbeitsmaterial abgezahlt werden. Heute häufigste Form der Sklaverei zur Arbeitsausbeutung – meist erfundene Kosten oder Wucherzinsen.

Sex Trafficking: Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung.

Zwangsarbeit, Sklaverei: Opfer werden zur Arbeit gezwungen oder aber auch durch Täuschung und Betrug gefügig gemacht. Oberbegriff für alle anderen Arten der hier genannten Begriffe. Kennzeichen: Zwang zur Arbeit, völlige Kontrolle durch >>Arbeitgeber_In<<, Opfer wird als Ware behandelt, Freiheitsberaubung oder wenigstens Beschränkung der Beweglichkeit

Ausbeutungsarten: Menschen werden vor allem zu folgenden Arten der Ausbeutung gehandelt, die sich überschneiden können:
– zur Prostitution
– zur Ausbeutung der Arbeitskraft
– für den Heiratsmarkt
– zum Ausschlachten von Organen
Für Kinder kommen speziell hinzu:
– als Kindersoldaten
– zur Adoption
– zum Betteln, Taschendiebstähle oder Serieneinbrüche

Quelle: Thomas Schirrmacher: Menschenhandel – Die Rückkehr der Sklaverei
ISBN: 978-3-7751-5335-5, SCM Hänssler. 4.Auflage; Holzgerlingen 2014.